1. Generalversammlung der BELeG am 21.06.2012

Umsetzungen von zwei PV Projekten in Lenzkirch im ersten Geschäftsjahr der Bürger Energie Lenzkirch (BELeG) realisiert.

In der ersten Generalversammlung der Bürger Energie Lenzkirch eG war neben den Regularien,  der Blick auf das erste Geschäftsjahr und der Austausch zur zukünftigen Ausrichtung der Genossenschaft auf der Tagesordnung.

Aufsichtsratsvorsitzender Peter Greiser begrüßte 43 Mitglieder und freute sich über die positive Mitgliederentwicklung seit der Gründung. So waren es am 06.06.2011 genau 49 Bürger aus Lenzkirch und der Region, die den Grundstein für eine Bürger Energie Genossenschaft gelegt haben. Mit Stand 21.06.2012 ist die Genossenschaft auf 97 Mitglieder angewachsen. Er berichtete über eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Vorstand, die in zwei gemeinsamen Sitzungen vertieft wurde. Als mögliche Zukunftsinvestition nahm er Stellung zu Chancen aber auch Risiken der Windkraft, die im weiteren Verlauf der Versammlung noch detaillierter diskutiert wurden. Die Vorstände berichteten über die Arbeit im vergangenen Geschäftsjahr.

Klaus Staub berichtete über den hohen Aufwand von der Gründung bis zur endgültigen Eintragung einer Genossenschaft und der engen Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband.

Roland Pfisterer berichtete über die Planung, den Bau und das erreichte Ergebnis der beiden PV Projekte Bauhofschuppen Lenzkirch und Maschinenhalle Metzger in Raitenbuch. Beide Projekte wurden im November 2011 fertig gestellt und somit erhält die Genossenschaft die Einspeisevergütung von 28,87 Cent pro KWh. Besonders bedankte er sich bei der Gemeinde Lenzkirch und der Familie Metzger für die Unterstützung im vergangenen Jahr. Bei beiden Projekten wurden aufgrund der Preisentwicklung und der intensiven Verhandlung mit fünf Firmen die Planungskosten unterschritten. Beide Projekte realisierte sehr zuverlässig die Firma Elektro Schropp aus Lenzkirch. Die BELeG setzte bei der Realisierung beider Projekt auf deutsche Produkte der Firmen Solarworld (Module) und SMA (Wechselrichter). Die bisherige Entwicklung der Stromproduktion zeigt, dass die erwarteten Erträge 2012 erreicht werden können. Somit ist das Ziel, mit den beiden PV Projekten die Grundlagen und Mindestanforderungen für eine eingetragene Genossenschaft gelegt zu haben, erreicht.

Das Projekt „Auf dem Weg zum BioEnergie-Dorf“ wird im Rahmen des erweiterten Arbeitskreises CO 2 reduziertes Lenzkirch weiter entwickelt. Neben dem Zuschuss Antrag an den Naturpark Südschwarzwald, einem Gemeinderatsbeschluss zur Beteiligung an der Kostenübernahme einer Machbarkeitsstudie und ersten Stammtischrunden im Ortsteil Kappel, steht bei diesem Projekt die Einbindung der Bürger an erster Stelle zur Umsetzung der Vision eines regional geschlossenen Energiekreislauf.

Uwe Krebs berichtete über die Aktivitäten zur Wasserkraft. Die Mitglieder hatten die Gelegenheit hautnah das Modell eines Wasserwirbelkraftwerkes im Eingangsbereich des Kurhauses anzuschauen. Gebaut wurde das Modell von Azubis der Mesa Parts GmbH in Lenzkirch. Nach einem gemeinsamen Besuch in Schöftland (Schweiz) bei den dortigen Wasserwirbelpionieren wurde im Herbst 2011 diese Kooperation mit Unterstützung von Martin Meyer, Aufsichtsrat der BELeG und Gesellschafter der Fa. Mesa Parts GmbH gegründet. Im weiteren Verlauf sollen alle Technologien der Energieerzeugung durch Wasserkraft im erweiterten Arbeitskreis CO 2 reduziertes Lenzkirch betrachtet werden.

Mesa Parts Azubi Timo Lindner erklärt den Gästen das Modell

 

Auf geordnete Finanzen und ein kleines Finanzpolster konnte Vorstand Wolfgang Speth verweisen. Somit erfolgte der Beschluss über den Bericht des Jahresabschluss, die Verwendung des Ergebnisses 2011 und die Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand durch die Mitglieder einstimmig.

Klaus Staub erläuterte im nächsten Tagesordnungspunkt den Status zu verschiedenen Themen und daraus abgeleitet mögliche Zukunftsaktivitäten für die Genossenschaft.

Sonnenenergie (Photovoltaik):

Eine Nutzung der Sonnenenergie  könnte dann für die Genossenschaft wieder sinnvoll sein, wenn der erzeugte Strom als Eigenverbrauch genutzt werden kann. So liegt die Wertschöpfung im Vergleich zum örtlichen Strombezugspreis. In der Regel zahlt der Privathaushalt heute ca. 0,27 Euro pro Kilowattstunde. Ob jedoch eine Stromabnahme durch Genossenschaftsmitglieder von Anlagen der Bürger Energie Lenzkirch eG als Eigenverbrauch anerkannt wird, ist noch zu prüfen.

Wasserkraft:

Für die Nutzung der Wasserkraft arbeitet der Vorstand der Genossenschaft an der Auswahl geeigneter Standorte für die Installation der Wasserwirbeltechnologie. Aber auch die Technik moderner Wasserräder oder Wasserschnecken wird dabei nicht außer Acht gelassen.

Kooperation mit ortsansässigen Unternehmen und Nutzung bzw. Bereitstellung von Energie aus Kraft-Wärme-Kopplungsprojekten:

Hier steht die BELeG noch ganz am Anfang. Erste Gedanken richten sich auf einen Verbund Kläranlage / Brauerei Rogg. Projekte der Vergangenheit z. B. einer Verbundlösung Prozesswärme Firma Mesa Parts im Freibad Lenzkirch zu nutzen, können unter den aktuellen Gegebenheiten mit entsprechender Modifikation eventuell neu belebt und bei Eignung realisiert werden. Fragen wie: Wer hat überschüssige Energie, welche von wem genutzt werden kann? Bilden den Raum neuer interessanter Kooperationen.

Beteiligungsmöglichkeiten an Projekten außerhalb von Lenzkirch, Beitritt zur BürgerEnergie AG:

Derzeit befindet sich eine BürgerEnergie AG im Aufbau. Ziel dieser AG ist es die ca. 70 BürgerEnergiegenossenschaften in Baden Württemberg bei Machbarkeitsanalysen, Bürgerbeteiligung, Auswahlverfahren für Realisationspartner und Finanzierungsfragen zu unterstützen und zu beraten. Ferner soll den Genossenschaften über den Verbund in der AG eine Möglichkeit der Beteiligung an größeren überregionalen Projekten zur regenerativen Energieerzeugung eröffnet werden.

Windkraftanlagen:

Bei diesem Thema hat sich der Vorstand der Genossenschaft neben der Nutzung von Windenergie mit Großwindkraftanlagen, wie dies  zunehmend auch andere Bürger Energie Genossenschaften tun, um die Realisierung von Kleinwindkraftanlagen gekümmert. Gleichzeitig ist aufmerksam die Form der Speicherung der gewonnenen Windenergie in Form von Methangas weiter zu beobachten. Aktuell gibt es Anzeichen dafür, dass auch eine Beteiligung an Großwindkraftanlagen auf dem Lenzkircher Gemeindegebiet für unsere Genossenschaft in greifbare Nähe rückt.

Gespannt waren die Mitglieder nach den umfassenden Informationen von Klaus Staub auf den Stand zur Planung für die Nutzung von Windkraft im Hochschwarzwald. Bürgermeister und Aufsichtsrat Reinhard Feser erläuterte dazu den aktuellen Status der Diskussion und die weitere Vorgehensweise. Es sollen im Hochschwarzwald bevorzugt verschiedene Varianten der Bürgerbeteiligung beim Bau von Windkraftanlagen umgesetzt werden. Auf der Gemarkung Lenzkirch werden voraussichtlich zwei Gebiete zum Bau von Windkraftanlagen ausgewiesen werden.

Bürgermeister Feser berichtet über die Beschlüsse und die weitere Vorgehensweise der Hochschwarzwaldgemeinden in seinem Vortrag

Der Start der öffentlichen Diskussion ist in Vorbereitung und wird im Rahmen des Planfeststellungsverfahren und der Flächennutzungsplanung vorbereitet.

Die geschlossene und gemeinsame Vorgehensweise der Gemeinden im Hochschwarzwald wurde von den Mitgliedern sehr positiv gesehen, wie die anschließende Diskussion zu Zukunftsthemen der Bürger Energie Lenzkirch zeigte. Die Bürger Energie Lenzkirch soll sich aktiv an dem Thema Windkraft  beteiligen und diese Technologie mit nutzen. Es wurde jedoch auch angedeutet diese Entwicklung mit den Auswirkungen auf den Tourismus konstruktiv-kritisch zu beleuchten.

Als Fazit der Diskussion nimmt der Vorstand einen klaren Auftrag der Mitglieder mit das Thema Nutzung der Windkraft in Lenzkirch gemeinsam mit Gemeinde und den Bürgern weiter zu entwickeln. Die Mehrzahl der Mitglieder sieht die Chancen die sich durch die Windkraft für die Gemeinde und die Bürger ergeben überwiegen.

Weitere Stimmen gab es zur Nutzung der Wasserkraft. Diese alte Tradition der Stromerzeugung soll in Lenzkirch unbedingt wieder belebt werden. Anhand des Modells der Azubis der Fa. Mesa Parts GmbH erhielten die Mitglieder auch einen interessanten Einblick in die Technologie und so manche Stimme forderte nun den nächsten Schritt, die praktische Verprobung in der freien Natur. Eng gefasste Gesetze und aufwändige Genehmigungsverfahren erfordern beim Thema Wasserkraft aus Sicht des Vorstandes das langfristige Engagement der Mitglieder und der Bürger.

Mut wurde dem Vorstand gemacht das Projekt „Auf dem Weg zum BioEnergie-Dorf“ weiter zu entwickeln. Kleinere Gebiete können so eventuell durch die Weiterentwicklung der vorhandenen Technologien wirtschaftlich erschlossen werden. Eine Kooperation mit dem Projekt „Kulturlandschaft für morgen gestalten“ kann dabei weitere Impulse und Unterstützung bringen.

Aufgrund der Diskussion sieht sich der Vorstand in der derzeitigen „vier Säulen“ Strategie bestätigt. Es gilt nun zur richtigen Zeit die richtigen Themen anzugehen und umzusetzen, dabei zählt die Genossenschaft auf die Unterstützung der Mitglieder und der gesamten Bevölkerung. Nach interessanten Berichten und einer intensiven Diskussion zur zukünftigen Ausrichtung der Genossenschaft blickt die BELeG auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurück und hat die Herausforderungen für die ehrenamtliche Arbeit der nächsten Jahre fest im Fokus.

Was zum Schluss bleibt ist ein Dank an alle Beteiligten und „Geburtshelfer“ die zur erfolgreichen Etablierung der Bürger Energie Lenzkirch eG im öffentlichen Leben der Gemeinde und der Region beigetragen haben.

Autor:
Datum: Samstag, 7. Juli 2012 10:15
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