„Ein Projekt funktioniert immer dann, wenn Kommune und Bürgerinnen und Bürger

an einem Strang ziehen“

Zum Jahresende endet das Projekt EnergieRegion Südschwarzwald – Interview mit Projektleiter Christian Neumann

Freiburg, 21.12.2015. Zum Jahresende läuft das Projekt EnergieRegion Südschwarzwald aus. VomFörderprogramm profitierten in den vergangenen zwei Jahren elf regionale Energiewende-Projekte, die bereits umgesetzt sind oder sich auf dem Weg der Umsetzung befinden. BeimExpertennetzwerk und den Fachforen erhielten die Akteure vor Ort maßgeschneiderte Informationen für ihre spezifischen Fragestellungen. Projektleiter Christian Neumann zieht imInterview eine positive Projektbilanz.

Zum Jahresende läuft das Projekt EnergieRegion Südschwarzwald aus. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Neumann: Insgesamt äußerst positiv, denn wir konnten wichtige Impulse setzen. Wir haben in den knapp zwei Jahren Projektlaufzeit elf Projekte unterstützt, zwei davon sind bereits umgesetzt, fast alle anderen sind auf dem Weg der Umsetzung. Bei neun von elf Projekten arbeiten die Kommunen und die Bürgerinnen und Bürger zusammen, das war von Anfang an eines unserer Anliegen. Auch die Rückmeldung der Akteure vor Ort ist sehr positiv, unser niederschwelliges Förderprogramm hat genau die Bedürfnisse getroffen. Auch unser Expertennetzwerk wurde sehr gut angenommen.

Wenn Sie die einzelnen Projekte betrachten: Was hat gut funktioniert, wo hakt es bei der Umsetzung? Gut funktionieren die Projekte immer dann, wenn Kommune, Bürgerinnen und Bürger und gegebenenfalls auch Unternehmen an einem Strang ziehen und eine konkrete Idee verfolgen. Schwierig wird es, wenn die Akteure nicht zusammenfinden. Das zeigt, wie wichtig die Kommunikation neben allen technischen Anforderungen ist. Problematisch wird es auch, wenn sich während des Projekts die Rahmenbedingungen ändern wie z.B. bei dem Projekt in Lenzkirch-Saig. Dort war ein Nahwärmenetz auf Basis Holzhackschnitzel geplant. Als sich der Energieversorger badenova aber dazu entschloss, eine Gasleitung zu den möglichen Großabnehmern zu legen, konnte die Idee nicht mehr weiterverfolgt werden.

Welchen Ratschlag können Sie den Akteuren vor Ort für ihre Projekte mitgeben? Die Zusammenstellung der Gruppe an Akteuren ist für den Erfolg entscheidend. Am Anfang sollten alle Beteiligten einen gemeinsamen Nenner finden bei der Frage, was gemeinsam erreicht werden soll. Die Erfahrung zeigt einfach, dass z.B. eine Bürgerenergiegenossenschaft ein Projekt nur schwer gegen den Willen einer Kommune umsetzen kann. Man sollte immer den Konsens suchen.

Was wünschen Sie sich von der Politik für zukünftige Projekte? Ich wünsche mir, dass die Akteure vor Ort so gut wie möglich unterstützt werden. Nur so kann eine dezentrale Energiewende, die von lokalen Projekten lebt, umgesetzt werden. Mit unserem niederschwelligen Angebot hatten wir eine Lücke in der Förderlandschaft geschlossen, die jetzt wieder aufzubrechen droht. Wir haben aber bereits die Zusage von der Landesregierung, dass es im neuen Jahr ein landesweites Förderprogramm zur Unterstützung lokaler Akteure in der Konzeptphase geben wird.

Generell plädiere ich dafür, die Rahmenbedingungen bei der Energiewende zu Gunsten dezentraler, bürgernaher Lösungen zu gestalten. Viele derzeitige Regelungen werden dem nicht gerecht bzw. sind zu komplex, z.B. die Ausschreibungsmodelle bei den erneuerbaren Energien, das KWK-Gesetz oder auch die derzeitige Fassung des EEG. Diese Hürden müssen unbedingt abgebaut und der ganze rechtliche Rahmen vereinfacht werden.

Projektleiter Christian Neumann Energieagentur Regio Freiburg.

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Datum: Mittwoch, 23. Dezember 2015 18:02
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